Dunkel-Naechte: Wie bist du dazu gekommen „Disk-Jockey“ zu werden und wie lange machst du
das bereits?

DJ Dalecooper:Ich bin 2004 im Rahmen eines Auftritts meiner Band in Hagen angesprochen worden, im Hagener Kultopia daraus eine Party zu machen.
Zusammen mit meinem Bandkollegen entwickelte sich dann 1 Jahr lang eine
Veranstaltung mit Bands und Aftershowparty.
Ende 2004 rief mich mein jetziger Chef, Ralf Nesch (langjähriger DJ im Exit/Solingen und danach auch im Pavillon und Shadow) an, ob ich einen Samstag im Shadow machen würde. Nach ein paar Probeabenden war ich dann dabei, 2006/2007 dann auch in der Partnerdisco Pavillon in Wuppertal.





Dunkel-Naechte:Hast du dich schon immer für Musik interessiert und wolltest das Publikum
„nach deiner Nase tanzen lassen“ oder hat sich dein Interesse erst nach
und nach dafür entwickelt?

DJ Dalecooper:Ich hab als 6jähriger schon die meiste Zeit vor dem Radio verbracht oder mit mit den Schallplatten meiner Geschwister und Nachbarn befasst.
Im alter von 10 Jahren hab ich schon davon geträumt in die Disco zu gehen, aber das ging dann noch nicht….
Ans auflegen hab ich erstmals ende der 90er gedacht, aufgrund umfangreicher CD Sammlung, die sich besonders in meiner Ausbildungszeit bei Saturn angesammelt hat.

Dunkel-Naechte:Als Szene-Dj sieht man viele verrückte Clubs, Menschen und Dinge. Was war
dein außergewöhnlichstes Erlebnis?

DJ Dalecooper:Man erlebt dort viele aussergewöhnliche Dinge, denke dass aussergewöhnlichste ist es, was für eine angenehmes und dankbares Publikum die schwarze Szene ist. Es gab einige Erlebnisse wie z.b. eine Überraschungsparty von jemanden, der seiner Freundin damit einen Heiratsantrag gemacht hat, ein Gothic-Abend, der sich in den frühen Morgenstunden zur Trashparty entwickelt hat, weil kein Rausschmeisser funktioniert hat, viele musikalische Überraschungen, bei denen man nicht gedacht hat, wie viele plötzlich auf die Tanzfläche rennen oder betrunkene, die krampfhaft versuchen, sich etwas von APOPTYGMA BERZERK zu wünschen. Da kommt aber noch einiges zusammen.

Dunkel-Naechte:Wie hat sich deiner Meinung nach der Musikgeschmack des Publikums in den
letzten Jahren verändert, ist er z.B. aggressiver geworden?

DJ Dalecooper:Der verändert sich permanent, aggressiver würde ich nicht sagen, da melancholische Sachen auch niemals in der Szene aussterben. Es gibt leider zu viele musikalische Szenespaltungen, trotzdem gibt es Veranstaltungen, bei denen es gelingt, alles zusammenzuführen, wie beim wöchentlichen Schattentanz in Leverkusen.

Dunkel-Naechte:Konntest du Trendwellen bemerken z.B. von Batcave zu Elektro oder war das
Verhältnis deiner Ansicht nach immer ausgewogen bzw. konstant?

DJ Dalecooper:Eigentlich immer ausgewogen, die Batcave Veranstaltungen halten sich seit Jahren im kleineren Rahmen mit hartnäckiger Fangemeinde und Electro domninert die grossen Veranstaltungen.

Dunkel-Naechte:Wie ist deine Einschätzung über die Zukunft? Wird alles noch extremer
oder wird es ein „Back to Black“ geben – zurück zum klassischen
Gothic?

DJ Dalecooper:Ich behaupte mal das gibt es schon, in Leverkusen gibt es eine regelmäßige und gut laufender Abend mit viel Todeskunst und Gothic namens Sonnenfinsternis, wo Sachen laufen, bei denen kein Mensch glaubt, dass man darauf tanzen kann und kürzlich gab es auch dort eine überaus erfolgreiche Back To Black Veranstaltung, die wir wiederholen werden.
Also der Ursprung des Gothics ist nach wie vor vorhanden und auch jüngere, die überwiegend der Cyber-Szene zugehörig sind, waren begeistert.

Dunkel-Naechte:Gibt es im privatem Leben auch andere Musik für dich oder ist Schwarz das
einzig Wahre?
Was sind deine Lieblingskünstler und Stücke und welchen Song legst du
auch gerne zwei mal auf?

DJ Dalecooper:Privat höre ich viel gewöhnliche Popmusik, ich bin seit der Kindheit grosser Kim Wilde, Madonna und Pet Shop Boys-Fan, später kamen Depeche Mode, Mission, Tori Amos, Björk und U2 dazu und im schwarzen Bereich Kirlian Camera, Covenant und Wumpscut dazu und das ist nur ein kleiner Teil. Also wirklich ziemlich durcheinander, kann auch mal was alternatives oder chartlastiges sein, bin da flexibel, ebenso mit den Parties, jedoch mache ich die schwarzen immer noch am liebsten.
2x lege ich eigentlich nur Songs auf, wenn ich todmüde bin und man mir auf die Nerven geht *g* oder wenn ichs mal verschusselt habe, sonst eigentlich nicht. Aber es gibt natürlich immer wieder Songs die man gerne auflegt oder dauernd, sind aber jede Woche andere. Ein Beispiel mit persönlichem Geschmack ist „Meds“ von Placebo, das hielt sich lange Zeit, ansonsten gibt es immer wieder Songs, die ich zwar selbst nicht mehr hören kann, mit denen man aber immer wieder interessante Übergänge machen kann (Covenant „Ritual Noise“ z.b.).

Dunkel-Naechte:In welchem Club oder Festival würdest du gerne einmal die Boxen beben
lassen?

DJ Dalecooper:Ich bin soweit zufrieden, bin gern bei meinen regelmäßigen Terminen und konnte auf dem Amphi Festival-Erfahrung sammeln.

Dunkel-Naechte:Was hältst du von „Ballerman-Fetenhits“ Dj´s auf Mallorca?

DJ Dalecooper:Jedem das Seine…nicht meine Welt…

Dunkel-Naechte:Was war das schlimmste was dir auf der Arbeit passiert ist? Konntest du
nicht arbeiten weil etwas kaputt gegangen ist, ist jemand ohnmächtig
geworden oder war plötzlich deine gesamte Playlist gelöscht?

DJ Dalecooper:Da ich nach wie vor mit CDs arbeite, eigentlich nur wenn die Player mal wieder Aussetzer haben. Witzig und auch unangenehm war, das ein Player mal 30 Sekunden eines Songs in Dauerschleife gespielt hat, und ich das erst nach einigen Minuten gemerkt habe. Um das wieder zu beheben, musste die ganze Anlage einmal ausgeschaltet werden, ansonsten nur kleinere Aussetzer mit Licht und Tonanlage. Allerdings sehen die Gäste in kleineren Clubs darüber hinweg, oder singen bei Stromausfall Karaoke, auch schonmal bei nem Kollegen passiert, unangenehmer war es, als auf dem Amphi technische Aussetzer gab, aber das war gott sei Dank kurz vor Feierabend.